Monatsbetrachtungen März 2021

Monatsbetrachtungen März 2021 von Vitus Fussenegger

Monatsbetrachtung März 2021

AUSWINTERUNG UND REVISION

Wenn im März - nach der Winterruhe der Völker – das sichtbare Leben der Bienen erwacht, wird auch der Imker aktiv. Jetzt sollten oder müssen gleich mehrere Aufgaben erledigt werden. Vieles was man den ganzen Winter durch auf die lange Bank geschoben hat, fällt einem ein und wartet auf seine Erledigung. Wenn ich nur ein wenig mehr Zeit hätte, so wird mancher denken, wenn er an die anstehenden Arbeiten denkt.

Über den Zustand der Völker hat man meist noch keinen genauen Überblick, außer, dass bei der Winterbehandlung Ende November – Anfang Dezember das eine oder andere Volk schwach aussah oder der Kasten bereits leer war. Bei gutem Wetter schaue ich auch schon im Januar ob die Fluglöcher von Totenfall frei sind. Die toten Bienen entfernen bedeutet keine Störung des Volkes. Sollte der Fluglochbereich komplett mit toten Bienen verstopft sein, wird durch Klopfen an die Kastenwand kontrolliert, ob das Volk noch lebt. Ein hörbares Brausen sagt mir, es ist noch leben im Kasten, hier brauche ich nichts tun. Wenn Stille herrscht schaue ich durch aufklappen der zweiräumigen Beute ob sich noch was regt. Ist kein Leben mehr vorhanden, wird das Flugloch verschlossen und zeitnah abgeräumt. Es soll ja kein Grund für Räuberei geben.

Mit zunehmender Tageslänge – und natürlich auch durch milde Wintertemperaturen, beginnt im verborgenem des Stockes, bereits ab Ende Dezember / Anfang Januar, das Brutgeschehen. Bei den starken Völkern in einem ganz anderen Verhältniss als bei schwachen. Hier liegt der Grund in der Masse der Bienen, die einen günstigen Wärmehaushalt und optimale Pflege der Brut sicherstellen. Diese Völker benötigen aber auch ein mehr an Futter als schwächere Völker.

DIE AUSWINTERUNG

Dieser Begriff bezeichnet das gute Überwintern der Völker. Sind an einem Bienenstand so gut wie alle Bienen über den Winter gekommen, so wird der Imker meist sagen, ich habe eine gute Auswinterung gehabt. Dies, ganz unabhängig vom tatsächlichen Zustand seiner Völker. Eine aussagekräftige Beurteilung kann deshalb erst gemacht werden, wenn sich der Imker einen Überblick über den Zustand seiner Völker gemacht hat, wenn er die Auswinterung überprüft hat, bei der jedes Volk kurz kontrolliert wurde.

Kurz ein Wort zu, jedes Volk kurz kontrolliert. Hierbei wird auf keinen Fall jedes Volk geöffnet und die Waben einzeln Stück für Stück gezogen so dass man auch das ganze Volk begutachten kann. An so was denke ich nicht mal, es wäre mir zu viel Arbeit und für das Volk oftmals ein schwerer Eingriff, unter dem es nur leidet. Dazu noch, ich habe es selbst schon beobachtet, dass besonders Ende März, Anfang April, bei der Völkerdurchsicht, Imker jede Wabe ziehen und dies bis ins unterste Magazin. Das Volk also nach allen Regeln der Kunst auseinandernehmen und nachher nach ihren Vorstellungen wieder zusammenfügen. Ein solches Volk wird nachhaltig gestört. Wo bleibt da die Harmonie und das natürliche Brutnestgefüge des Volkes. Bei mir wird ein Volk nur dann bis ins unterste Magazin kontrolliert, wenn Weiselzellen angezogen wurden. Ansonsten wäre es, wie schon gesagt, dass es mir einfach zu viel Zeit und Arbeit kostet, unsinnig in der Wirkung ist und eine nachhaltige Störung des Volkes mit sich bringt.

Zurück zur Auswinterung: Anfang März, bei Sonnenschein und Temperaturen ab 12° – 15°C geht’s zur Kontrolle an den Bienenstand. Was nehme ich mit: Klar Stockmeißel und Smoker und 2 Böden zum wechseln.

Ein Blick auf das Flugloch sagt schon aus was Sache ist. Fliegen die Bienen, so lebt das Volk. Je nach Volksstärke werden die Bienen unterschiedlich stark fliegen und auch Pollen eintragen. Kein Bienenflug – hier stimmt was nicht, dort muss nachgeschaut werden. Kein Flug kann auch bedeuten, dass die Fluglöcher durch Totenfall verstopft sind, oder dass das Volk im oberen Magazin sitzt und noch nicht raus will. Dies kommt allerdings eher bei niedrigeren Temperaturen vor. Also immer zuerst einen Blick auf das Flugloch richten.

Zuerst gehe ich hin und kontrolliere das Gewicht der Beuten. Durch das verkitten halten die einzelnen Beutenteile gut zusammen. Durch leichtes ankippen der Beuten kann ich auf einfache Weise am Gewicht den Futtervorrat feststellen. Beuten die dabei vom Durchschnitt abweichen werden mit einem Kreidezeichen markiert. Also Abweichungen nach unten wie nach oben. So habe ich eine Übersicht, wo überversorgte Völker stehen, bzw. wo evtl. Futternot vorhanden ist.

Nun werden die Böden der Beuten kontrolliert. Das Zusammenkleben durch das Verkitten wird mit dem Stockmeißel gelöst, die Magazine von vorne angekippt und schon kann ich einen Blick in das Innere des Bodens werfen. Sind viele tote Bienen im Boden, so ist das auch eine Gefahr für die Gesundheit des Volkes. Klumpen oder Häufchen von feuchten oder nassen Bienen schimmeln gerne und verwesen. Wer mal daran riecht, der wird sich beeilen saubere Böden unter zu stellen. Bei den Gitterböden wird dies seltener passieren. Bei toten Bienen im Boden, stelle ich das Magazin kurz zur Seite, nehme den Boden weg, stelle den sauberen hin und setze das Magazin wieder drauf. Der weggestellte Boden wird gesäubert und kann wieder getauscht werden. Klar, es kommt auch mal vor, dass ein Boden Alterserscheinungen zeigt, oder von Mäusen beschädigt wurde. Deshalb habe ich ja auch noch einen Ersatzboden dabei.

Bei den Völkern, die fliegen und Pollen eintragen und auch vom Gewicht her stimmen, kann ich sicher sein, dass alles stimmt. Bei diesen Völkern wird weiter nichts gemacht. Ein Öffnen des Volkes und evtl. Waben ziehen um Brut zu sehen oder der Königin guten Tag zu sagen, schadet nur. Dies hat Zeit bis zum April.

Anders sieht es aus, wenn Auffälligkeiten festzustellen sind. Auffälligkeiten sind keine oder kaum Bienen am Flugloch, Bienen fliegen zwar, aber kaum eine bringt Pollen mit heim, Wachskrümel auf dem Flugbrett und die leichten Beuten. Bei diesen Feststellungen kann ich mir nur Gewissheit verschaffen, wenn ich die Beute öffne und kurz reinschaue. Fliegen keine Bienen, so kann ich in aller Regel von oben durch die Wabengassen hindurch, die Helligkeit des Flugloches sehen. Oder anders gesagt, ich sehe zum Flugloch hinaus. Hier ist der Kasten leer, die Bienen fehlen. Hier gilt, das Flugloch zu verschließen, um Räuberei zu vermeiden und um die Futterwaben für spätere Zwecke zu sichern.

Das gleiche gilt auch für Beuten bei denen Wachskrümel auf dem Flugbrett liegen. Hier wurde entweder geräubert oder eine Maus ist in den Kasten eingedrungen und hat sich am Pollenvorrat und dann an den Bienen gütlich getan. Egal ob noch Futter in der Beute ist oder nicht. Die Magazine werden angehoben und etwas angeklopft, so dass eventuelle Untermieter das Weite suchen. Der Boden wird dann kontrolliert wie die Mäuse in die Beute gelangen konnten, gegebenenfalls gegen einen ganzen Boden austauschen und ebenfalls Bienendicht verschlossen.

Ist wider Erwarten jedoch Räuberei festzustellen, so werde ich nach dem bekannten Muster die Räuberei totlaufen lassen. Räuberei erkenne ich an den Wachskrümel auf dem Flugloch und an einem regen Bienenflug. Wenn ich die Beute öffne, so sitzen die Bienen nicht wie gewohnt eng beieinander in wenigen Wabengassen, sondern sie sind im ganzen Futterraum verteilt. Beim weg nehmen der Folie, fliegen auch viele Bienen oben ab. Der Beute mit dem beräuberten Volk wird das Flugloch verschlossen und außerhalb des Flugkreises an einen anderen Stand verbracht. An den alten Platz wird ein Boden mit Magazin aufgestellt und mit ein paar Waben mit Futterresten eingebracht, Deckel auf die Beute und in aller Regel legt sich mit dem versiegen der Futterstelle auch die Räuberei, ohne dass die Nebenvölker Ziel der suchenden Bienen werden.

Stoße ich bei der Kontrolle auf Beuten bei denen kaum Bienen fliegen, wird ebenfalls nachgeschaut. Sind nur noch wenige Bienen im Kasten, evtl. 1 -3 Wabengassen, so wird der Kasten entsprechend markiert, um dann im 2. Schritt, der Revision das Völkchen aufzulösen.

Nun sind noch die Völker die zwar fliegen aber kaum Pollen eintragen. Hier öffne ich die Beute, ziehe an der Seite eine Wabe, und rücke Wabe für Wabe, bis Brut kommt. Ist die Brut in Ordnung, Waben wieder in Urzustand zurücksetzen und entsprechend Notizen machen.

Nun habe ich noch die leichten Beuten. Da der Bienenflug in Ordnung ist, so deutet alles auf wenig Futtervorrat hin. Nur das Nachschauen bringt Gewissheit. Fehlt Futter so nehme ich 2 – 3 Leerwaben heraus und gebe rechts und links an die Brutwaben je eine halbvolle Futterwabe. Erst dann folgen volle Futterwaben. Warum? Das Brutnest kann sich so durch den Leerzellenbereich auf der Futterwabe zügig weiterentwickeln. Bei vollen Futterwaben muss der Platz ja erst geräumt und gerichtet werden. Diese benötigten Futterwaben habe ich ja nicht auf Vorrat zu Hause, sondern sie stammen von Völkern, die den Winter nicht überlebt haben, oder aber von intakten überversorgten Völkern, welchen ohne Schaden 1 – 2 volle Futterwaben entnommen werden können. Also im Tausch volle gegen leere Waben.

Nebenbei kommt in jeden Gitterboden wieder der Varroaschieber. Hiermit fördere und unterstütze ich den Wärmehaushalt der Völker und ich sehe am Gemüll den Volkssitz und die Volksstärke.
Damit habe ich die erste Durchsicht bzw. Die Auswinterung abgeschlossen. Sie gab mir einen ersten Überblick, oder anders gesagt, ich weiß nun was Stand der Dinge ist.

Nun ist aber Wissen und Merken zweierlei. Wer mehrere Völker hat, oder sogar mehrere Standorte, der tut gut daran sich Notizen zu machen, oder die geschilderten Markierungen vorzunehmen. Mir erging es dann auch schon so, dass ich dachte, das kannst du dir merken und am Schluss stand ich da und konnte nicht mehr den Zustand der einzelnen Völker benennen. Deshalb wie gesagt, Notizen machen. Dies erleichtert dann auch den 2. Schritt „die Revision der Völker“. Aber bitte beachten: Die Bienen halten viel aus. Auch das frühzeitige Wabenziehen. Aber es ist immer ein Eingriff ins Volk, der mehr oder weniger Unruhe und Durcheinander der Bienen nach sich zieht. Und die Gefahr ist groß, dass evtl. eine Königin zu Schaden käme. Deshalb Waben nur ziehen, wenn es nötig ist, und nicht wenn einem die Neugierde plagt.

NUN ZUR REVISION

Bei der ersten Durchsicht oder Kontrolle habe ich mir ja einen Überblick des Zustandes der Völker verschaffen können und erste dringende Maßnahmen durchgeführt. Nun kann ich gezielt Maßnahmen ergreifen und dazu auch das benötigte Material mitnehmen. Wenn das Wetter mitspielt kann dies auch schon 8 Tage später sein. Es sollte Sonnenschein und Temperaturen von über 15°C haben. Da ich von der Durchsicht der Auswinterung her weiß, was in etwa an Material benötigt wird, so wird der PKW, bei mir ist es der Hänger mit dem benötigten Equipment beladen. Dies sind: Magazine mit Leerwaben, 1-2 Leermagazine, 2 Unterböden mit Fluglochschieber, ein paar Absperrgitter, Plastikfolien und Magazinabdeckungen und Behältnisse für Wabenreste. Also großer Eimer/Hobbock oder Plastiksack. Über Stockmeißel, Abkehrbesen, Smoker und Rauchmaterial brachen wir nicht zu sprechen, die sind ja immer mit dabei. Ja auch die normalsten Kleinigkeiten sollten beachtet werden. Wenn ich an einem Außenstand ankomme und das Feuerzeug geht nicht, oder das Rauchmaterial ist klamm bzw. etwas feucht, dann heißt es Pech gehabt und flugs eine Ehrenrund drehen und das benötigte zu Hause holen. Das ist mir alles schon passiert. Dazu gehört auch, das Sichern der Ladung, also das Anbringen des Gepäcknetzes. Auch hier musste ich schon Lehrgeld zahlen.

Nun kommt mir zugute, dass ich mir bei der ersten Durchsicht / Kontrolle schon Notizen gemacht habe und deshalb schnell wieder den Überblick über den Zustand der Völker habe.
Auch habe ich mir schon überlegt was zu tun ist und wie ich vorgehen werde.

WAS STEHT IN DER REGEL AN

Bei sehr schweren Völkern Platz schaffen. Schwere Magazine heißt, es ist viel an Futtervorrat im Kasten. Diese vollen Waben behindern das zügige Ausbreiten des Brutnestes. Deshalb entnehme ich aus diesen Völkern so viel an Futterwaben, so dass noch 4 volle davon im oberen Magazin sind. Das sind ca. 8 kg Futter. Anstelle der entnommenen Waben gebe ich Leerwaben in die das Volk sich ausbreiten kann. Dabei achte ich immer darauf, dass am Brutnest eine Wabe mit mehr oder weniger Futter ist. Dadurch wird ein Futterabriss während einiger kalter Tage vermieden. Die entnommenen Futterwaben kommen in ein Leermagazin, Boden darunter, Flugloch zu und Folie / Deckel drauf und schon sind diese Bienendicht verstaut. Diese Waben sind bei der Erweiterung von Völkern oder der Ablegerbildung wieder verwertbar.

Völker, die kaum flogen, aber von der stärke her soweit in Ordnung sind, werden auf 1 Magazin eingeengt oder aber über Absperrgitter auf ein starkes Volk gesetzt. Wie ich es handhabe hängt vom Zustand des Volkes ab. Ein Volk das eingeengt auf 5-6 Wabengassen im Magazin gut besetzt, bleibt als Einzarger stehen. Ein Volk mit junger Vorjahreskönigin welches auf mindestens 4 Wabengassen sitzt wird umgesetzt/ aufgesetzt.

Weisellose und drohnenbrütige Völker sowie schwache werden aufgelöst. Schwach ist wer weniger als 3 – 4 Wabengassen besetzt. Dazu werden die Beuten am Platz weggestellt und ca. 20 Meter entfernt Wabe für Wabe abgestoßen. Die Königin wird abgedrückt. Die Flugbienen fliegen zurück, da der alte Platz leer ist, betteln sie sich bei den Nachbarvölkern ein. Drohnenmütterchen bleiben im Gras liegen. Die Waben mit Drohnenbrut werden eingeschmolzen.

Ein kurzer Blick auf den Bodenschieber, und nun sehe ich am Gemüll jeweils wie und wo das Volk sitzt. Sitzt es Seitlich am Kastenrand, schön in der Mitte oder vorne bzw. hinten. So kann ich noch kurz den Volkssitz korrigieren. In der Regel jedoch nur bei einem Volk das ganz auf einer Seite sitzt. Hierbei wird das Brutnest a Block in die Mitte der Beute verschoben. Dabei beachten, dass dies auch im unteren Magazin durchgeführt wird.

Die meiste Arbeit jedoch bereitet die Entnahme von Altwaben. Besonders im zeitigen Frühjahr sind meistens die unteren Magazine noch brutfrei. Hier sind vor allem die dunklen Altwaben anzutreffen. Da die Waben in aller Regel kein Futter mehr enthalten und kaum Pollenvorräte aufweisen, ist jetzt im zeitigen Frühjahr der beste Zeitpunkt, um das ganze unterste Magazin wegzunehmen. Diese Waben kommen mit nach Hause und werden baldmöglichst eingeschmolzen. Als Ersatz des weggenommenen Magazins wird eine Zarge mit – wenn möglich – bebrüteten Leerwaben – diese werden besser angenommen – aufgesetzt. An den Rand des aufgesetzten Magazins kommt jeweils eine volle Futterwabe. Die Bienen tragen Futter nach oben und bebrüten rasch die freien Waben.

Sollte bereits Brut im untersten Magazin sein, so nehme ich diese Waben, vorausgesetzt, es sind noch relativ helle Waben, und setze diese in die Mitte der aufzusetzenden Magazine. Sind es dunkle Altwaben mit nur 2 -5 cm hohen Brutkränzen, so werden diese eingeschmolzen.Bei der ganzen Aktion sind es die angebauten Querriegel an den unteren Rähmchen, die für zusätzliche Arbeit sorgen. Dies geschieht vor allem bei den hohen Böden. Hier bringt eine eingelegte Bausperre Abhilfe.

Das schöne Wetter mit den milden Temperaturen Ende Februar nutzte ich um die Völker zu kontrollieren und um Altwaben zu entnehmen. Was auffällig war: ich musste bei einigen Völkern Futterwaben zuhängen. Denn das nun rasante Brutgeschehen führt zu erhöhtem Futterverbrauch und einigen Völkern würde sonst die Futterknappheit zu schaffen machen.

ZUM SCHLUSS

Auswinterung heißt für mich, bei der Durchsicht Mängel erkennen und Lösungen finden!
Revision bedeutet, Auffälligkeiten und Mängel beheben bzw. beseitigen.
 
Ihr
Vitus Fussenegger